Das Ärgernis der Demokratie

Seit alters ist das Ärgernis der Demokratie die Bedingung dafür, die Demokratie nicht als Ärgernis sehen zu müssen. Wenn jede Stimme zählt, gewinnt meist der, der den Durchschnitt aller Überzeugungen so repräsentiert, dass er das Meinungsspektrum bis hin zur Selbstwidersprüchlichkeit ausdehnt, ohne dass es seine Integrität gefährdet. An der Spitze steht einer, der nicht spitz, sondern so unscharf redet, dass er gerade noch nicht als harmlos gelten muss. Sein Mühen um Mitte und Maß verkörpert er in jener Mittelmäßigkeit, welche die Zustimmung in der mehrheitsfähigen Einsicht artikuliert, dass er einer für alle zu sein vermag, weil er einer von allen ist. Kaum mehr als das politisch Handelsübliche, das Mediokre zu fördern, ist die Zumutung der Demokratie an die Gebildeten unter ihren Verteidigern.