Monat: Oktober 2025

Sitz im Leben

Man achte nicht auf die Wortwahl, auf das Wie, sondern darauf, wann eine Sache erklärt wird: Die meisten Begründungen sind versteckte Rechtfertigungen. Der Sitz im Leben einer Argumentation ist die Legitimation.

Brücken bauen

Denken bedeutet, die Sprünge zwischen den Sätzen und die Brüche in ihnen zu überbrücken. So wird aus einer losen Folge von Gedanken ein System von Folgerungen, in der Schilderung von Dramen ist die Dramatik erkennbar. Gründe verdichten sich zu einer Begründung, Assoziationen verschwinden in einer Argumentation. Was ehedem Stimmung gewesen ist, erreicht das Niveau der Stimmigkeit. Und anschauliche Sprachbilder ergeben ein Bild von der Sache.

Große Erzählungen

Nicht jeder, der erzählen kann, hat auch etwas zu sagen. Ob es gelingt, ja möglich ist, aus der Geschichte zu lernen, ist in der Sache nicht ausgemacht. Aus den Geschichten allerdings lässt sich ziehen, mehr als das, was deren Autor in sie hineingelegt hat, um sie auf eine Pointe hin zu bauen. Große Berichte zeichnen sich dadurch aus, dass sie nie ohne eine Einsicht übermittelt werden können. Jede Erinnerung ist eine Zumutung an die Gegenwart und gefährdet sie, wenn sie um ihrer selbst willen erzählt wird.

Das Geheimnis der Schlaflosigkeit

Sind es die Gedanken, die einen nicht schlafen lassen; oder ist es die Schlaflosigkeit, die solche Gedanken erzeugt?

Zweimal Denken

Auch wenn sich alles mögliche denken lässt, ist das, was gedacht werden kann, das Wirkliche.

Vorläufig handeln

Demokratie lebt von der Überzeugung, dass die vorläufigen Problemlösungen für eine Gesellschaft verträglicher sind als die, welche den Anspruch erheben, endgültig zu sein.

Das Paradox der Freiheit

Je weiter wir unsere eigenen Grenzen verschieben, desto klarer erkennen wir unsere eigene Beschränktheit.