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Goldene Regel

Der reziproke Grundsatz, der schon in den frühesten Zeugnissen der Religionen die Eigenschaft eines Handlungsgebots annimmt und der in der volksmundartlichen Variante gereimt lautet: „Was du nicht willst, das man dir tu’, das füg’ auch keinem andern zu“ – dieses ethische Prinzip lässt sich kaum ins Positive wenden, wenn man die Umkehrung der Perspektive wählt. Die Zumutung wäre zu groß, den anderen all das angedeihen zu lassen, was man von ihnen erwartet (und zurecht nicht ausspricht), das sie einem in schönster Zuneigung und größter Gunst gewähren mögen. Die Goldene Regel erinnert, und dabei sollte man es belassen, schlicht daran, wie sinnvoll es ist und wie gut es tut, sich gedanklich und emotional gelegentlich an die Stelle seines Mit- und Nebenmenschen zu bewegen.

Die Namen der Freiheit

Selten tritt Freiheit unter ihrem eigenen Namen auf. Was soll sie von sich auch sagen; wie sich vorstellen als ein Vermögen, das von nichts abzuleiten ist, durch nichts begründbar, verlöre es doch sonst seinen Charakter? Die Formen der Freiheit, unter denen sie uns sinnfällig wird, heißen: Gestaltungswille, Verantwortung, Entscheidungsfreude und, nicht zu vergessen, Angst.

Die Bedingungen des Erfolgs

Im Unterschied zum Angestellten oder Beamten ist der Unternehmer für die Grundbedingungen seines Erfolgs selber verantwortlich. Nicht was er herstellt oder anbietet, verkauft oder erfindet, entscheidet über sein Geschäftsglück allein, sondern mindestens auch sein Geschick, die Voraussetzungen geschaffen zu haben fürs langfristige Gelingen. Wie kein anderer im ökonomischen Spiel beweist der Unternehmer sein Talent, indem er der Zukunft eine Gewissheit durch seine formsicheren Vorstellungen zuschreibt, die sonst nur der Vergangenheit innewohnt. Und die Gegenwart handlungssteuernd verdichtet auf den Zeitpunkt der Entschlüsse. Der Wille ist ihm vertrauter als die Vernunft.

Trostbedürftigkeit

Was unser Talent zu trösten am meisten hindert: dass wir vertrösten.

Abarbeiten

Welche Eigenschaften sind es, die Worte so zwingend erscheinen lassen, dass man nicht anders sich zu ihnen stellen kann, als dass man sich an ihnen abarbeitet? Der unmittelbar einsichtige Satz fordert nicht. Die klar falsche Aussage stört nicht wirklich; sie ist lästig und leicht zu widerlegen. Jenseits der Frage, ob der Gedanke richtig sei oder sein Autor recht habe, ob als eine Sache stimme oder absurd sei, handeln nachwirkend irritierende, provokative Ansprüche einen Antwortraum aus, der nicht allein von der Vernunft besetzt werden kann. Jenes Wort, das die eigene Position herausfordert, das zur Änderung – nicht nur von Einsichten, sondern – von Einstellungen nötigt, erfüllt sich erst, wenn mit der Behauptung eine existenzielle Beziehung eröffnet und eingegangen wird. Dann heißt Wahrheit, was sich nur über das Leben dem Denken erschließt.

Die Geschichte vom gezogenen Stecker

“Spielst du mit mir?“ fragt der Achtjährige.
“Ich bin müde“, antwortet der Vater.
“Nur kurz. Bitte“. Das Kind lässt nicht locker und zerrt am Ärmel. Das Elternteil auch nicht und bleibt stumm auf der Couch liegen.
Der Sprössling betrachtet seinen Lego-Roboter, untersucht Akku und Ladestation. „Ich weiß, wie du wieder wach wirst. Du brauchst einfach ein Kabel und einen Stecker. Dann kannst du dich aufladen. Ich werde das erfinden.“ Er setzt sich an den Tisch und fängt die erste Konstruktionszeichnung an für den nimmermüden Menschen.
Der Vater, ob solcher zukunftshungrigen Neugier und der Problemlösungskompetenz seines Zöglings hellauf begeistert, setzt sich zu ihm.
„Siehst du, es hat geklappt“ meint der Junior, leise auftrumpfend. „Ich werde das der Mama sagen. Dann kannst du ihr immer helfen, wenn sie ruft.“
Schlagartig verfällt der Ältere wieder in seine Trance. Gerade bekam er vorgeführt, was fast jede Erfindung an Schicksal durchläuft. Das Neue beginnt mit einem Triumph und endet als Trivialität.

Die Macht der Worte, die Gewalt der Taten

Je schlichter die Talente zur Kommunikation, desto größer die Tendenz zur Gewalt.

Nun aber bleibet …

Was Liebe, Lust und Leidenschaft begründet haben – eine Beziehung zwischen Zweien, die mehr sein will als eine Liebelei, welche so lang lustig bleibt, wie sie keine Leiden schafft –, verdichtet sich auf eine Frage, sobald sie nach Dauer und Belastbarkeit strebt: Glaube ich dem anderen und traue ich mir zu, dass wir alles setzen auf jene Kraft zur Versöhnung, die immer eintreten soll, wenn es an der Liebe gemangelt hat, die Lust vergangen ist und mit Leidenschaft nur noch der eigene Weg verfolgt wird?

Das soll ich gesagt haben?

Wie Stauden oder Bäume, Gestrüpp und Gesträuch, die Frühblüher wie die Hölzer des Spätherbstes nicht einfach verpflanzt werden können, so ist es auch mit Wörtern, die aus dem Kontext gerissen worden sind. Als Zitat suchen sie, sich an die neue Umgebung anzupassen; als fragmentarische Erinnerung erproben sie gegenwartserhellende Bedeutungen; als Vorhalt hängen ihnen noch spitze Stacheln an; der „ewigen“ Wahrheit ist schon anzusehen, dass sie alsbald verdorrt sein wird. Nur die einfachsten Äußerungen haben Chancen, länger zu gelten. Je schlichter ein Satz, desto kraftvoller die Wirkung über seine Zeit und seinen Ort hinaus.

Mit- und Nebenmenschen

Die größte Bedrohung für jene Menschen, denen das Leben sich voller lichter Heiterkeit zeigt und leicht fällt, geht nicht aus vom gelegentlich aufkeimenden Hang zum bedenkenlosen Leichtsinn, der mit unschuldiger Vorliebe sich selbst Fallen stellt, sondern von jenen anderen Nebenmenschen, die sie neiderfüllt beobachten und gehässig danach trachten, ihnen das Leben schwer zu machen.

Die zwei Beine des Wohlstands

Der Reichtum eines Lands entscheidet sich an seiner Kraft zur Erneuerung. Es geht im Ganzen nicht nur um die Frage, was einer hat, sondern vor allem um die Aufgabe, wie viel er erreichen will. Nicht zuletzt, weil er träge macht, gefährdet Besitzstand den Wohlstand.

Schluss jetzt!

Anders als der Angestellte, dessen Ausscheiden aus dem Arbeitsleben angewiesen wird mit dem Erreichen der Altersgrenze, muss der Freiberufler und Selbstständige sich fragen, wann der richtige Zeitpunkt gekommen sei, sich zu verabschieden vom beruflichen Umfeld. Mit dem Nachlassen der Kräfte, und welcher denn: der körperlichen, der geistigen? Aber woran wäre das ablesbar? Auf dem Höhepunkt des eigenen Erfolgs? Doch wie ist der bestimmbar? Aus Unlust? Das Ende zu definieren ist willkürlich, aber nicht beliebig. Heimlich träumt der Ungebundene vom idealen Abschied in dem Augenblick, da das Bedauern der anderen am größten wäre über seinen Weggang. Allerdings wäre das auch wieder nicht passend, weil er diese leise Trübsal der Kollegen oder Kunden dann gar nicht genießen könnte. Wäre sie überhaupt echt? In Wahrheit haben schon viele Gute sich aus ihrer Profession zurückgezogen – und keiner hat es gemerkt, geschweige denn beklagt.

Wille und Weg

Es ist gut, dass der Wille gelegentlich blind ist. So kann er nicht die Aussichtslosigkeit seines Unterfangens sehen, die ihm von vornherein seine Kraft raubte. Das Englische kennt die Wendung indomitable spirit, das Unbezähmbare und schlecht Bezwingbare. Es erinnert an die Wildheit eines Wollens, die sich nicht hindern lässt, weil sie letztlich nichts anderes ist als der Lebens- und Überlebenstrieb.* Und die am anschaulichsten wird im Wettkampfsport. Da ist der Wille eine Macht, auch wenn er nicht Wille zur Macht ist. Er verbündet sich nur mit der Tat, weil er einen Pakt geschlossen hat mit dem Resultat.

* Im Nachlass von Nietzsche findet sich ein aphoristischer Text, der unter dem Titel „Wille und Welle“ publiziert wurde: „Wie gierig kommt die Welle heran, als ob es etwas zu erreichen gälte! Wie kriecht sie mit furchterregender Hast in die innersten Winkel des felsigen Geklüftes hinein! … Es scheint, daß dort etwas versteckt ist, das Wert, hohen Wert hat – und nun kommt sie zurück, etwas langsamer, immer noch ganz weiß vor Erregung, – ist sie enttäuscht? Hat sie gefunden, was sie suchte? Stellt sie sich enttäuscht? – Aber schon naht eine andere Welle, gieriger und wilder noch als die erste. Und auch ihre Seele scheint voll von Geheimnissen und dem Gelüste der Schatzgräberei zu sein. So leben die Wellen, – so leben wir, die Wollenden.“ 

Schnitt für Schnitt, Schritt für Schritt

Mit der Gen-Schere Crispr-Cas9, so unaussprechlich das Akronym, so ungeheuerlich die Anwendung, hat der Mensch die Fähigkeit erworben, nun auch sich selbst in seinen natürlichen Voraussetzungen ein für allemal verändern zu können. Ein Eingriff in die Keimbahn, die Ausschaltung von Defekten im Erbgut, das Design von Bauformen des Körpers, bedeutete einen prinzipiellen Einschnitt in der Entwicklungsgeschichte des Menschen. Er würde weitergegeben werden an die Folgegenerationen. Die ethischen Probleme, die sich aus diesem technischen Vermögen ergeben, sind so tiefgreifend, dass es schon schwierig ist, sie als Fragen recht zu formulieren, geschweige denn eine angemessene Antwort zu finden. In solchen weltüberfordernden und weltbewegenden Fällen, wie etwa auch der Zerstörungskraft von atomaren Sprengköpfen, fand stets das Moratorium seine Funktion, der vertraglich vereinbarte Aufschub als dezente Rechtsform, die die Aufgabe des einst so wichtigen Tabus übernommen hat, und die wechselseitige Abschreckung, balance of power genannt. Es sind letzte, vielleicht verzweifelte Akte, die aus der Einsicht geboren sind, dass die Macht der Zerstörung nicht mit der Macht einhergeht, zurückzunehmen, die alte Unschuld wiederherzustellen, nachdem die Waffen einmal erfunden waren. Das Schreckensszenario wirkt wie ein Verbot und hat bisher die Bildkraft besessen zu hindern, was nie geschehen darf. Was aber, wenn die Zerstörungsmacht der Gen-Schere ähnlich weitreichend ist, nur dass sie als Versprechen daherkommt, dem Menschen eine Zukunft frei von Krankheit oder Leiden zu gewähren, ihn lockt mit der Aussicht auf eine nie geahnte Verbesserung seiner Hirnleistungen, seiner Muskelkräfte, auf übermenschliche Fähigkeiten? Was, wenn in der Schöpfung, die nach alter Weise aus dem Nichts geschehen sei, dieses Nichts selber noch gegenwärtig ist? Und mit dem Maß dessen, was geschaffen werden könnte, mitwächst?

Zu viele Worte

Das ist das Problem von offenen Aussprachen, dass sie dem Konflikt seine heimliche Unschuld nehmen. Wenn ein Fehlverhalten erst einmal präzise analysiert und die Absicht, sich zu ändern, ausgesprochen ist, ist mit dem Rückfall in frühere Muster zugleich der Ausweg verbaut, die Sache ins grenzenlose Feld der Ignoranz zu schieben. Nun gilt, dass man es besser hätte wissen müssen, so dass ein Versagen nur aus Unfähigkeit oder, schlimmer noch, Böswilligkeit zu erklären ist. Was nach einer solchen Aussprache sich gewandelt hat: Es steht die Offerte moralischer Überlegenheit. Man muss sie nur annehmen.

Vernünftig

Die größte Leistung der Vernunft besteht darin, dass sie uns erlaubt, Situationen scharf zu beurteilen, ohne sie erlebt haben zu müssen. Sie ist ein Distanzierungsorgan, das für sich in Anspruch nimmt, nicht von allem in Anspruch genommen zu werden. Der Satz: „das kannst du gar nicht wissen, du bist nicht dabei gewesen“, schreckt das Denken nicht; im Gegenteil behauptet es gelassen: dass du dabei gewesen bist, hilft dir noch nicht, es zu wissen.

Parteienspektrum

Sobald sie an der Regierungsbildung beteiligt sind und die Aufgaben des Gesetzgebers übernehmen, werden sich die Parteien, die sich im Wahlkampf noch erbittert bekämpft haben, alle ähnlich: Sie beginnen einzuführen, statt auszukehren. Den Wust an Regeln, die Unübersichtlichkeit der Vorschriften, die Widersprüchlichkeit der Verfügungen, die ein entschlossenes Handeln eher hindern als fördern, mehr lähmen als vorantreiben, verdanken wir einer über Jahrzehnte gepflegten Sinnselbstversorgungsmentalität der Politiker, die noch die letzten parlamentarischen Hinterbänkler veranlasst, ihre Handschrift in einer Spezialverordnung gewichtig zu hinterlegen. Alle beklagen sich über die Komplexität der modernen Welt, auf die der moderne Staat zu reagieren habe, und verstehen nicht, dass sie selbst es sind, die maßgeblich zu deren Undurchschaubarkeit beitragen. Den Wettbewerb mit der Komplexität gewinnt nur, wer wieder sich der einfachsten Lebensformen erinnert und deren Überlegenheit wertschätzt: Das Vertrauen ist allemal effizienter als jeder Erlass; Mut ist stets selbstgewisser als jede Tat, die sich ihre Sicherheit über eine Studie mit Fokusgruppen gesucht hat. Das hat der Populismus erkannt, der auf billige Art die Sehnsucht nach Klarheit bespielt, indem er sie mit simplen Inhalten ideologisiert. Die wesentliche Aufgabe der Gegenwartspolitik lässt sich nur paradox beschreiben: Hingabe an die Zurücknahme.

Mach dich frei

Es ist einer der beklemmendsten Sätze beim Arzt, wenn die Sprechstundenhilfe im Behandlungszimmer sagt: „Sie können sich schon einmal frei machen. Der Doktor kommt gleich.“ Da sitzt man dann halbnackt, friert leicht und wartet lange Minuten, bis endlich der unbekannte Fachmediziner, kurz grüßend, zur schnellen Begutachtung in den Raum tritt. Alles ist auf Effizienz getrimmt, die Diagnose oft nicht einmal der genauen Anschauung entnommen, sondern dem beiläufigen Blick auf den Bildschirm und der dort vorgeschriebenen Anamneseschnipsel. Wo sonst das Ausziehen vor dem Anderen das intime Spiel reizvoll bereichert oder, in der Deformation der Hingabe zur Erniedrigung, einseitige körperliche Blöße die Machtdemonstration in einem Verhör kalt darstellt, hat die lapidare Aufforderung der Assistenz in der Arztpraxis, sich freizumachen, von beiden Situationen unangenehm viel übernommen: aus der Liebesverstrickung das Ungeschützte, ohne die begleitende Zartheit, aus der Verachtungsszene die Demütigung, ohne die Tendenz zur Vernichtung. Mit Freimachen hat das so wenig zu tun, wie Nacktheit eine Qualität von Wahrheit repräsentiert. Vielmehr ist das Sollen, vorgetragen von der Vorzimmerdame, so bedrängend und bedrückend, dass das Wollen sich in dem Moment nur noch als Widerwille zeigt und das Können sich in Umständlichkeit verwandelt hat. Freiheit wäre indes jenes, hier verlorene, Gleichgewicht zwischen dem Anspruch, dem Bedürfnis und der Fähigkeit, beides zu erfüllen, die schönste Entsprechung von Sollen, Wollen und Können.

Lohn des Muts

Unter allen individuellen Haltungen ist der Mut am meisten abhängig vom Wort. Weil er in Situationen besonders gefordert ist, die schier aussichtslos zu sein scheinen, bedarf er einer kommunikativen Dauerbegleitung, die wider jede Wahrscheinlichkeit sich mit der Sprache zur Wehr setzt und Kräfte entfesselt, die zur späteren Verwunderung gelegentlich Anlass geben. Das geht so weit, dass es sogar gleichgültig sein kann, ob einem Mut von anderen zugesprochen wird oder ob man ihn sich selbst einredet. Hauptsache, er vertraut dem, was gesagt ist.

Recht auf Entschuldigung

Der inflationäre Gebrauch des Satzes „Ich entschuldige mich …“, der als reflexive Wendung über die Autorschaft der Gewähr einer Abbitte täuscht (nur eine letzte Verweigerung kann ich mir symbolisch selber zuschreiben: „Das verzeihe ich mir nie …“), verdeckt, dass ich mich, indem ich das Ansinnen um Nachsicht vorbringe, in die Obhut eines anderen begebe. Er soll Verzeihung walten lassen, und kann daher die ausgestreckte Hand auch ausschlagen. Es gibt kein Recht auf Entschuldigung; genauso wenig existiert die Macht, sich selber exkulpieren zu können. Aus dem Weg geräumt wird eine störende, hässliche, verlegene, böse Sache nur, wenn andere mit anpacken. Und sei es durch das entlastende Wort, mit dem, weil es nie zur Pflicht gemacht werden kann, Menschen wie nirgends sonst zeigen können, wozu Freiheit fähig ist.

Freie Berufswahl

Auch wenn viele noch klassenkämpferisch Ausbeutung anprangern, über Entfremdung schimpfen oder den Warencharakter der Arbeit verdammen, so hat sich doch im modernen Unternehmer längst eine Figur herausgebildet, die das alles auf sich vereint. In ihrer jüngsten Variante, dem Gründer eines Startups, der sich selbst ausbeutet, sich Investoren kapitalhungrig verdingt, weil er so idealistisch ist, an den Erfolg seiner Entwicklung fest zu glauben, und so materialistisch, von ihm dereinst über die Maßen profitieren zu wollen, fallen Freiheit und der Fetischcharakter der Ware zusammen: Er konsumiert sich als Produzent und produziert sich als Konsument seiner eigenen Sache. Selbst diese Entfremdung nimmt er in Kauf, weil er meint, nur so sich realisieren zu können.

Klimaschutz

Noch immer ist ein Klima, das sich selber schützt, die effizienteste Art des Ökosystems, sich zu erhalten. Es sorgt durch seinen Wandel schlicht dafür, dass das, was am stärksten bedrohlich ist, seine Lebensgrundlage à la longue verliert: der Mensch. Naturschutz, so wie wir ihn verstehen, ist Menschenschutz, mit dessen Hilfe wir vor den Folgen unserer eigenen Rücksichtslosigkeit in Deckung gehen. Am Anfang des Denkens, so heißt es, stand ein Staunen über die Welt; zu Beginn eines weltumspannenden Handelns könnte ein Erschrecken über sich selbst stehen.

Außenhaut

Wie kommt es, dass man sich bei den Nebenmenschen, die den typisch öligen Teint eines regelmäßigen Sonnenbankbesuchs tragen, sofort fragt, was sie zu verbergen haben?

Unter Kollegen

Wenn es zu einer properen Intrige nicht reicht, lässt sich der Talentfreie gern entschädigen durch das Gefühl, der korrektere Mensch zu sein.