Kraftübertragung

Bei allem, was über deren Techniken zu sagen wäre, bedeutet Führung zunächst und vor allem die Fähigkeit, Kräfte zu organisieren, sie zu entfesseln, zu richten, zu bündeln. Unter denen, die das können, ragt hervor, wer zudem als Kraftquelle wirkt. Solche Menschen haben Autorität, wörtlich: Sie sind Urheber von Kräften, die andere sinnvoll und zielorientiert einsetzen.

Streicheleinheiten

Der Hypochonder ist weniger besorgt um seine Gesundheit, als dass er leidet an einem Mangel an Aufmerksamkeit.

Leseverstehen

Altes Hausmittel, neu erprobt: Schwierige Passagen muss man laut lesen. Die Vergegenständlichung des Gedankens, die in der Artikulation fassbar wird, erhöht die Wahrscheinlichkeit, das Gesagte zu verstehen. Alles kommt darauf an, einem Buch mit der ihm eigenen Geschwindigkeit zu begegnen. Jeder Text hat sein Tempo. Geduld und Hartnäckigkeit heißen die Tugenden der Lektüre.

Aus dem Hinterhalt

Für jeden, der in einer Organisation führt, gilt ein absolutes Verbot: Hinterhältigkeit. Sie erwächst stets aus der Verbindung von Feigheit und Aggressivität. Wer als Verantwortlicher so handelt, verliert seine Macht ohne Verzug

Sinneskonkurrenz

Die Art, wie Sinne ihre Reizbarkeit verarbeiten, kann sehr unterschiedlich ausfallen. So stört es erheblich, wenn im Ruheabteil der Bahn, dessen Zweck alle Mitreisenden offenkundig bestens verstanden haben, so dass sie die stillschweigenden Regeln einhalten, plötzlich ein Fahrgast eintritt und sein dampfendes Menü aus dem Schnellrestaurant auspackt. Die olfaktorische Qual kann das seltene Glückserlebnis ungehinderten Arbeitens mit einem Mal zunichte machen und irritiert mehr als ein Laut. Auch optische Beleidigungen können durch feinste Gerüche nicht aufgewogen werden, doch besser, als es umgekehrt der Fall wäre. Lärm wiederum mag die schönsten Orte grässlich erscheinen lassen. Die Phantasie hilft gelegentlich. Es ist leicht, sich Hässliches durch innere Bilder zu übermalen. Auch Geräusche lassen sich ausblenden. Wohingegen es fast unmöglich ist, sich an Gestank zu gewöhnen, der selbst dann noch präsent bleibt, wenn dessen Quelle längst verschwunden ist. Verblüffend ist, dass die Kombination von Mief, Krach und Dreck fast weniger befremdet, zumindest das Ärgernis nicht potenziert, als die Sinnesprovokationen es einzeln tun. Man könnte diese Verbindung fast schon stimmig nennen.

Antrieb

Nur wer sich selbst der härteste Gegner sein kann, bringt die Voraussetzung mit, sich zu Höchstleistungen selbst zu motivieren. Erfolg ist immer das Ergebnis aus der Überwindung eines Widerstands. Alles andere hieße Glück.

Krusten im Konstruktivismus

Ein Text aus dem Nachlass von Niklas Luhmann

„ … Im Anschluss an Linguistik und Kybernetik kann schließlich auch die Soziologie etwas dazu sagen. Ihre Analysen können zeigen, dass es kein Zufall ist, wenn sich in der modernen Gesellschaft Bedeutungen nur noch auf der Ebene des Beobachtens von Beobachtungen und des Beschreibens von Beschreibungen festsetzen können. Die moderne Gesellschaft hat alle natürlichen Vorrechte, alle privilegierten Positionen für richtige Beschreibungen der Welt aufgelöst. Entsprechend florieren Ideologien und Ideologiekritik, konstruktivistische Erkenntnistheorien, historischer und kultureller Relativismus; und die zusammenfassende Formel dafür ist eben, dass Stabilität nur gewonnen werden kann, wenn und soweit sie sich auf dieser Ebene des durchschauenden Beschreibens von Beschreibungen halten lässt.

Kein Wunder also, dass schließlich auch die Frauen (sei es von Männern, sei es von Frauen) beschrieben werden müssen als Wesen, die beobachten, wie sie beobachtet, und dann beschreiben, wie sie beschrieben werden. Und wenn es zutrifft, dass die Frauenbeschreibungen historisch vorwiegend von Männern angefertigt worden sind, lässt sich geradezu erwarten, dass diese Affektion mit Kybernetik zweiter Ordnung zuerst bei Frauen – beobachtet werden kann.

Geradezu zwanghaft erscheint dann auch die Epidemie sprachpolitischer Empfindlichkeiten. Sie ist, wie die neue, sozusagen postgrammatikalische Aufmerksamkeit für Sprache überhaupt, eine Konsequenz der Strukturen moderner Gesellschaft. Die Frauen können nichts dafür. Sie selbst sind das Opfer. Man muss ihnen helfen.

Frauen neigen nämlich zur Übertreibung, wie man in einer alten Tradition männlicher Beschreibungen sagen könnte. Wenn sie fromm sind, sind sie zu fromm. Wenn sie grausam sind, sind sie zu grausam. Wenn sie in Geschäften hart und rigide führen, gehen sie auch darin zu weit. Und wenn sie Sprachpolitik treiben, dann ohne hinreichende Rücksicht auf Sprache.

Fast muss man befürchten, dass sie demnächst die Unsinnin auf die Gipfelin treiben. Aber auch, wenn man derartige Vorahnungen beiseitelässt, gibt es genügend Missgriffe zu kritisieren. Am deutlichsten erscheint das Problem aus Gründen, die nur eine statistische Analyse klären könnte, an Worten, die mit Mi anfangen. „Ministerin“ ist zum Beispiel ein solcher Fehlgriff. Es handelt sich um ein lateinisches Wort, und Ministra steht als gut etablierte Fassung zur Verfügung. Aber auch „Mitgliederinnen“ (was man es zuweilen in Anreden wie „liebe Mitglieder und Mitgliederinnen“ schon hören kann) ist unerträglich. Was wäre der Singular? Und überhaupt: Mitglied ist, wie übrigens das Glied auch, sächlich. Es besteht also gar kein Anlass, eine Überschätzung des Männlichen abzuwehren. Wenn es dann doch geschieht, müssten die Männer schließlich verlangen, als Mitgliederer angesprochen zu werden.“*

* Das Deutsch der Geschlechter, Erstdruck: FAZ vom 30. September 2009, N 5. Wieder abgedruckt in: Antje Baumann / André Meininger (Hg.), Die Teufelin steckt im Detail. Zur Debatte um Gender und Sprache, Berlin, 227 – 229

Hat die Natur eine Stimme?

Das Lebensideal, das sich in der Formel eingeprägt hat, im Einklang mit der Natur zu existieren, scheint viel schlichter zu sein, als es die ökologischen Imperative vom Essverhalten über die Mondscheinernte bis zum Schlafrhythmus sich vorzustellen anbieten. Es geht zunächst einmal um akustische Wahrnehmungen, die Stimmen der Vögel, das Rauschen des Blätterwalds im lauen Abendwind, das Gurgeln eines auslaufenden Gebirgsbachs, knackende Äste, das Grollen herbfallenden Gerölls und, das in allem und vor allem jenseits von allem: die Stille. Nie ist Natur so stimmig wie in den glücklichen Momenten, in denen nicht einmal aus der Ferne ein technischer Laut zu vernehmen ist. Die Natur macht keine Geräusche. Sie klingt.

Die hohe Kunst des Kaufmännischen

Das unterscheidet den klassischen Kaufmann vom modernen Manager, dass dieser sein Handeln durch die Scheu vor dem Risiko einhegt, wohingegen jener sein Risikobewusstsein die Ungewissheit des Erfolgs so organisieren lässt, dass er Gefahren – zwar nicht meidet, aber – so weit reduziert, wie sie nicht beherrschbar sind. Die Kunst des Kaufmännischen erkennt das Wagnis als Wahrheit des ökonomischen Erfolgs und setzt ihm die Grenzen dort, wo es zum Abenteuer degeneriert ist.

Überreizt

Die Drogensucht der Ichschwachen: Erlebnishunger.

Die Langeweile von Prüfungen

Alles Korrekte ist langweilig, weil jeder Satz die Erwartung der vorhergehenden beflissen erfüllt. Der Schüler straft den Lehrer hart, indem er in seinen Hausarbeiten sich verbietet, meist gar nur sich nicht traut, anderes abzuliefern als die üblichen Antworten auf die gestellten, und nicht selten gestelzten, Themen. Es ist anstrengend, Gewohntes und Gewöhnliches zu lesen. Der Reiz des Falschen liegt in der Chance, in frappante Gedanken zu führen. Zwischen Blödsinn und Bemerkenswertem ist die Nähe größer als die Beziehung von Belang und Gründlichkeit.

Unabhängigkeitserklärung

Alle Ostergeschichten bilden in ihrer Gesamtheit eine einzige große Unabhängigkeitserklärung. Sie wollen dokumentieren, wie sehr ein Ereignis, die Auferstehung von den Toten, das schon um seiner Unwahrscheinlichkeit willen, gleichwohl ersehnt, unmittelbar in den Verdacht gerät, nur als geglaubtes wirklich sein zu können, sich eigenständig und unverfügbar präsentiert. Der Zweifel, nicht die Überwältigung und Beglückung, der in den Erzählungen zentral thematisiert ist, übernimmt die Funktion, den Ernst der Angelegenheit existenziell zu testen.

Nach dem Scheitern

Strategien sind immer die Konsequenz aus der Erfahrung, dass bisher noch kein Plan den Kontakt mit der Wirklichkeit unbeschadet überstanden hat.

Gleichnishaft

Aus einer Feiertagslektüre

Von den Gleichnissen

Viele beklagen sich, daß die Worte der Weisen immer wieder nur Gleichnisse seien, aber unverwendbar im täglichen Leben, und nur dieses allein haben wir. Wenn der Weise sagt: „Gehe hinüber“, so meint er nicht, daß man auf die andere Seite hinübergehen solle, was man immerhin noch leisten könnte, wenn das Ergebnis des Weges wert wäre, sondern er meint irgendein sagenhaftes Drüben, etwas, das wir nicht kennen, das auch von ihm nicht näher zu bezeichnen ist und das uns also hier gar nichts helfen kann. Alle diese Gleichnisse wollen eigentlich nur sagen, daß das Unfassbare unfassbar ist, und das haben wir gewusst. Aber das, womit wir uns jeden Tag abmühen, sind andere Dinge.
Darauf sagte einer: „Warum wehrt ihr euch? Würdet ihr den Gleichnissen folgen, dann wäret ihr selbst Gleichnisse geworden und damit schon der täglichen Mühe frei.“
Ein anderer sagte: „Ich wette, daß auch das ein Gleichnis ist.“
Der erste sagte: „Du hast gewonnen.“
Der zweite sagte: „Aber leider nur im Gleichnis.“
Der erste sagte: „Nein, in Wirklichkeit; im Gleichnis hast du verloren.“*

* Kafka, Von den Gleichnissen, in: Beschreibung eines Kampfes (Werke 5), 72

Wo?

Unter den Gottesnamen ist der eine, der die Differenz zwischen Abwesenheit und Anwesenheit aufgehoben hat, der ausgezeichnete: Ich bin, stellt der Weltenherr sich vor im Testament, der, der da ist. Da zu sein, so ist es üblich, bedeutet, woanders nicht sein zu können. Das muss für den, dem die Eigenschaft machtvoller Allgegenwart zugesprochen ist, nicht gelten. Er ist da, was heißt: er ist zudem dort; und darüber hinaus überall. Solchen mythischen Umgang mit Ortsangaben – auch die erste Frage nach dem Menschen ist eine nach seinem Platz in der Welt: Adam, wo bist du? (Gen 3,9) – sollte man im Kopf haben, wenn man liest, was in den Ostererzählungen die drei Frauen angesichts des leeren Grabs zu hören bekommen, die sich aufmachen, den Gekreuzigten zu ehren mit Salben und Ölen: Er ist nicht hier (Matth. 28, 6; Mk. 16, 6; Luk. 24, 6). Nicht da zu sein, meint an dieser Stelle mehr, als nur die gewöhnliche Form der Absenz, die eine Voraussetzung darstellt für Präsenz. Es ist eine Ansage an alles Lebendige, das „Ich bin da“ nicht mehr für eine Ortsangabe zu halten, wie es vor allem dem, was tot ist, endgültig und eindeutig zueignet. Das „Er ist nicht hier“ präzisiert das „Ich bin da“ zu einem „Ich bin bei euch bis ans Ende der Welt“ (Matth. 28, 20). So wird es zum Zeichen zuverlässiger Zuwendung. Frohe Ostern!

Aus den Geschichten lernen

Gefragt, was sich aus den Ostergeschichten lernen ließe. Vor allem dies: die Verwandlung des Glaubens vom Für-wahr-halten ins Vertrauen.

Du Opfer!

Wer verstünde besser als der, dem Gewalt angetan wird, welches ungeheure Ärgernis darin besteht, auf Qual, Foltern und Morden gerade nicht zu antworten mit Gegengewalt? Zum Skandal gerät ein solcher Entschluss, wenn die Möglichkeit zum Widerstand nicht nur gegeben ist, sondern angesichts der Macht, die zur Verfügung steht (als wirtschaftliche oder militärische Potenz, als moralische Autorität oder mittels purer Kraft), geradezu geboten. Wo immer von Gott die Rede ist, fehlt nicht das Beiwort „Herrschaft“, die als absolute gekennzeichnet wird, sobald in Frage steht, was es zu bedeuten hat, Gott genannt zu werden. Dieser Gott hängt nun am Kreuz, über ihn verhängt die brutalste Strafe des Römischen Reichs. Um ihn herum stehen Menschen, die nur darauf warten, verzweifelt oder wie die Spötter, die ihn provozieren, dass irgendetwas Überraschendes, Überwältigendes geschieht. Doch nichts dieser Art passiert. „Du Opfer!“ So riefen wohl heute die Zeugen, hätten sie denn Worte, und sagten in dieser Geste der Verachtung Tieferes, als sie wohl geahnt hätten. Die Situation ist unerträglich. Ein skandalon*, nennt es der erste Theologe, Paulus (1. Kor. 1, 18). Das, was unerträglich ist, aber zu ertragen, das ist das Wesen dessen, der verurteilt wurde wegen der Anmaßung, der von Gott Gesandte zu sein. Was könnte den Anspruch, es zu sein, deutlicher bestätigt haben als diese unermessliche Stärke: Unaushaltbares auszuhalten. Das andere Machtzeichen, auf das alle warteten und das manche erhofften, indes bleibt aus. So wird das Wort vom Kreuz zum Anstößigen für jene, die über es hinweggehen, und zum Anstoß für jene anderen, die sich betreffen lassen. Hier zeigt sich, wer die Menschen sind. Und hier will sich zeigen, wer Gott ist: der nämlich, dem Gewalt so zuwider ist, dass er von ihr keinen Gebrauch macht, um sie niederzuhalten, sondern der ihr die größte Kraft entgegensetzt, der sich am Ende keiner erwehren kann: eine Liebe, deren Wesen ist zu verzeihen.

* Ursprünglich stand der Ausdruck für den Auslöser in einer Falle

Das Geheimnis von Gemeinschaft

Keine Zeit im christlichen Festkalender ist so vollgepackt mit Symbolen wie die österliche. Was auch immer der Kirche an Zeichen zur Verfügung steht, um sinnbildlich auszudrücken, um was es ihr geht, stammt aus den Erzählungen vom Leiden, vom Sterben und, nicht zuletzt, von der Auferstehung des Weltenherrn. Nur dass der Bedeutungsreichtum solcher Repräsentationen immer verweist auf das eine Geschehen in Jerusalem. Und kaum taugt als Signatur für allgemeine Lebensfragen: das letzte Abendmahl als Sinnbild für eine gelungene Form von Tischgemeinschaft, die Kreuzigung exemplarisch für die Sterblichkeit des Menschen und das leere Grab als Hort unserer überzeitlichen Hoffnungen. Nein, die Berichte vom letzten Weg Jesu tragen alle das Bemühen, dem Ereignis seinen Realitätsgehalt abzuringen, so wenig wie möglich wegzunehmen von der Einmaligkeit und Härte eines unerträglichen Gangs. Jesus selbst wird da zum Symbol für das, was Menschen einander antun können, und, vor allem, für das, was Gott dennoch daraus machen will. Da leidet und endet einer für alle ein für allemal. Das zeigt sich schon beim letzten Abendmahl, das in jeder Geste das Geheimnis dieser Gemeinschaft anklingen lässt (weil einer es lebt), einer Versammlung von Menschen, die in dem Maße glücken könnte, wie die einzelnen in ihr nichts anderes wollen, als den jeweils anderen zu dienen, ohne auf Verdienst und Verdienste zu achten. Sie ist das genaue Gegenteil dessen, was wir heute als Erfolgsgemeinschaft idealisieren.

Große Fragen

Die großen Fragen vereint alle, dass es auf sie keine andere Antwort gibt, als sie zu ertragen.

Aufgestöbert, durchgestöbert

Kistenweise sind neue Bücher ins Haus gekommen, die Folge eines Nachlasses. Der Verstorbene hatte viel gelesen und noch mehr gekauft. Überraschend, wie gering die Zahl der Dubletten ist, obwohl die archivierten Lektürevorlieben sich in die eigenen Interessen erkennbar fügen. Schon erstaunlich, wie viel unentdeckt oder unvertraut geblieben ist trotz der verblüffenden Nähe zum eigenen Geschmack. Ein solcher plötzlicher Bibliothekszuwachs verändert das Verhalten und provoziert die Neugier: statt zu lesen, ertappt man sich beim tagelangen Stöbern. Die neuen Nachbarn wollen sich vorstellen, ohne gleich genau unter die Lupe genommen zu werden. Zuletzt Einübung in eine paradoxe Tätigkeit: das zufällige Finden wird zur Kunstform entwickelt.

Außer Form

Ein Inhalt, der nur der Form zu genügen hat, verliert sich selbst. Zurück bleibt die Form, die nichts ist als hohl.

Verstanden

In Wahrheit nichts zu verstehen außer dieses eine: zu erleben, wie man immer schon verstanden ist, das gehört zu den tiefsten Wirkungen der Liebe.

Massenvernichtung

Aus einer Samstagabendlektüre

„Dass Kriege so lange dauern können, dass sie noch weitergeführt werden, wenn sie längst verloren sind, hängt mit dem tiefsten Triebe der Masse zusammen, sich in ihrem akuten Zustand zu erhalten, nicht zu zerfallen, Masse zu bleiben. Dieses Gefühl ist manchmal so stark, dass man es vorzieht, sehenden Auges zusammen zugrunde zu gehen, statt die Niederlage anzuerkennen und damit den Zerfall der eigenen Masse zu erleben.“*

* Elias Canetti, Masse und Macht, 47f.

Fehlen des Mitleids

In jedem Ratschlag versteckt sich ein Mangel an Mitleid. Er ist die abgelenkte Form einer Verweigerung, der Ablehnung von Begleitung, und so die Abstraktion einer geschuldeten Hilfe.