Kategorie: Die tägliche Notiz

Ungefragter Rat

Das Problem des ungefragten Rats ist, dass er lästig ist; das des gefragten Rats, dass er meist gefällig ist. Niccolò Machiavelli zog daraus die Konsequenz, in seinem Schreiben Lorenzo de‘ Medici ungefragt zu raten, nur gefragten Rat anzunehmen. „Ein Fürst muss sich daher immer beraten lassen, aber jeweils nur, wenn er selbst es will, und nicht wenn andere es wollen; vielmehr muss er jedem den Mut nehmen, ihm in irgendeiner Angelegenheit einen Rat zu erteilen, wenn er ihn nicht darum gefragt hat.“* Hier ist die ganze Paradoxie in einem kurzen Gedanken formuliert, in der alle Consulting-Verhältnisse gefangen sind, die Beratung zu einem Geschäftsmodell entwickelt haben.

* Der Fürst, Kap. 23

Mach dich nicht gemein

Es gehört zur Überrumpelungstaktik in Machtspielen, den plötzlichen Wechsel von einer unterschätzten Gruppe hin zum überschätzten Flügel einer Partei zu vollziehen. In beiden Fällen bleibt die reale Größe unsichtbar, die Bedeutung einer politischen Bewegung wird, je nach Bedarf, verniedlicht (wenn der Verfassungsschutz sie beobachtet) oder aufgeblasen (wenn die eigenen Anhänger mobilisiert werden sollen). Hier fallen scheinbar harmlose Sätze nach dem altbewährten Muster, man werde das ja noch sagen dürfen. Dort greifen Fackellicht und Marschmusik kalkuliert zur beladenen und belasteten Symbolik einer zerstörerischen Ideologie, um die Tragweite des gesellschaftlichen Umbruchs zu demonstrieren, der angeblich anstehe. Zu wenig oder zu viel, das im Wechselspiel vorgetragen, ist Teil der Tarnung von Größenwahn und Großmachtphantasien. Es werden Mitläufer gesucht, deren Hemmungen beschwichtigt und deren Sehnsüchte beschworen werden. Ohne die lässt sich jener gefährliche Umschlagpunkt nicht erreichen, an dem die Massen überlaufen, weil sie fürchten, sonst abgehängt zu werden. Mit dieser Angst wird von Anfang an gespielt. Es sind stets niedere Motive, die selbst Einsichten korrumpieren, von denen die ungetrübte Vernunft mit gutem Willen behaupten könnte, sie seien richtig. Bei allen Debatten um die Auseinandersetzung mit solchen Gruppen, ist der Hinweis eines entspannten parlamentarischen Umgangs mit ihnen der falsche. Eher wäre zu erinnern an das, was Souveränität heißt: sich nicht gemein zu machen mit denen, die Gemeinheit im Sinn haben und von Gemeinsinn und Gemeinwohl mit gespaltener Zunge reden. Und alles daran zu setzen, dass die Tarnung auffliegt, damit jener verheimlichte Hang zum Ressentiment, zum Hass, zum Kleinlichen, zur destruktiven Enge, zur Verachtung von allem anderen und allem Fremden, zur Brutalität und Rücksichtslosigkeit, zur Dumpfheit und Grobheit offenbar wird. Man kann nicht mit Gedanken spielen, wenn der Ernst eine klare Haltung fordert. „Wehret den Anfängen!“ – das zu rufen, ist zu spät. Aber schenken wir dieser Bewegung die Aufmerksamkeit, die sie verdient, eine kritische, selbstbewusste, orientierte, aufgeklärte und aufklärende, mutige Öffentlichkeit, in deren Helle das Düstere finster erscheint und die Verhältnisse maßstabsgetreu zurechtgerückt sind.

Ortsunkundig

Drei Antworten in einer fremden Stadt. Der Reisende, auf dem Weg, die Metropole zu erkunden, will wissen, was sich hinter der architektonisch auffälligen Fassade verbirgt. Einen Reiseführer hat er mit Bedacht zu Hause gelassen:
„Darf ich Sie kurz anhalten?“ Passant A: „Schon passiert. Was gibt’s?“
„Können Sie mir sagen, was das ist?“ Er zeigt auf das Gebäude. Passant A: „Keine Ahnung. Ich komme nicht von hier.“
Er wendet sich um. Passant B fängt seinen Blick auf. „Darf ich Sie fragen, was das für ein Haus ist?“ „Hä? Woher soll ich das wissen? Ich wohne hier.“
Da mischt sich Passant C ein: „Wenn du hier leben würdest, würdest du auch nicht fragen. Hier hat keiner Zeit, sich mit solchen Nebensächlichkeiten aufzuhalten.“
Besser lässt sich eine Stadt nicht kennenlernen, als über die Reaktionen derer, die sich in ihr bewegen.

Zwei Bestimmungen des Menschen

Spiegelbildlich, so stehen zwei auffällige Bestimmungen des Menschen zueinander, die das Denken des vergangenen Jahrhunderts tief beeinflusst haben. Die eine sieht in ihm ein Wesen der Angst (Heidegger), das in dieser Grundbefindlichkeit sich eine Antwort gibt auf die Frage nach der Strukturganzheit des Daseins*. Die andere arbeitet mit der Vorstellung, der Mensch sei charakterisiert durch seine Trostbedürftigkeit (Hans Blumenberg).** Beide, Angst und Trost, teilen zentrale Eigenschaften: Sie sind abstrakt – die Angst kennt keinen Gegenstand, vor dem sie sich fürchtet, dem Trost mangelt es an allen Instrumenten der Hilfe. Sie gehen aufs Ganze – in der Angst wirkt das „Nichts und Nirgends“, der Trost leiht sich die Hoffnung, alles sei oder werde gut. Sie stellen sich zur Welt als solcher – hier als Raum, in dem sich der Mensch seiner Freiheit vergewissern muss, dort als Ort, von dem es sich zu befreien gilt. Der Trost überwindet die Angst und verweist schon deswegen auf ein Wort, das sich garantiert nicht selbst gesagt werden kann.

* Sein und Zeit, §§ 39, 40
** Die Sorge geht über den Fluss, 153 

Hinderungsgründe

Auch die Zerstörung kennt das Ideal der Nachhaltigkeit. Ihm entspricht vollkommen das Ressentiment, ein Gift, das so langsam wie gründlich wirkt. Warum? Weil es nicht gegen die anderen vorgeht, sondern das Gelingen selbst sich zum Feind erklärt hat.

Werkzeugkasten für das Leben

Die wichtigen Fragen des Lebens entscheiden sich nicht auf der Ebene, auf der sie gestellt werden. Sondern dort, wo sich zu ihnen ein Verhältnis entwickelt hat. Die deutsche Mitarbeiterin, die ihren Job im amerikanischen Unternehmen gekündigt hat, erntet von ihren Freunden hierzulande besorgtes Entsetzen und von den Bekannten jenseits des Atlantiks Bestätigung, Ermutigung, Stolz. Es kommt nicht allein darauf an, ob einer arbeitet oder arbeitslos ist, sondern welche Beziehung er dazu hat – ob einer viel Geld hat oder knapp bei Kasse ist, sondern wie er sich dazu stellt, ob einer Führungskraft ist oder nicht, sondern welche Haltung er zu dieser Rolle einnimmt. Das lässt sich anwenden auf alle Lebensbereiche.

Später an früher denken

Die Sorge sagt: Früher an später denken.
Die Furcht redet: Denk später, handele früher.
Die Angst spricht: Zu spät, um noch zu denken.
Die Gelassenheit antwortet: Später an früher denken.
Das Denken behauptet: Man kann nicht früh genug denken.
Die Heiterkeit entgegnet: Ob früh, ob spät. Nur nicht zu viel denken.
Das Leben erwidert: Denk daran, wer zu früh kommt und wer zu spät kommt, den bestrafe ich. Beide

Habe ich Recht?

Ausufernde Verträge und festgeschriebene Regeln, verästelte Verordnungen oder dicke Gesetzespapiere, sie alle wollen Frieden stiften, wo sonst Unklarheiten herrschen, und sorgen doch für Lähmung, Streit, Unübersichtlichkeit. „Die Verrechtlichung hat die Welt vergiftet“, notiert Paul Valéry.* Er spricht von einer „Theologie der Niedrigkeit“, weil mit der Delegation der Aufgabe an ein Gericht, im Konfliktfall direkt zu entscheiden, zugleich ausgeblendet wird, was einen Streit meist schlichtet: dass die Parteien einander wiederbegegnen können sollten. Nicht nur über das, was geschehen ist, sollte das Urteil daher gefällt sein; sondern so, dass wieder Gemeinsames und Gemeinsinniges geschehen kann. Wie viele Verfahren indes haben als einziges Ziel, den anderen mit legalen Mitteln zu vernichten. „Das ist eine Sorte Frieden, die den Krieg verdeckt und fördert.“*

* Cahiers 5, 485

Klare Ansage

Nichts zeigt Ernsthaftigkeit so deutlich wie der Widerstand. Wo die Konfliktscheu überwiegt, entsteht jene Sprachlosigkeit, die sich später als Wut äußert. Was als routinierte Höflichkeit für oberflächliche Ruhe sorgt, übertüncht nur die Unlust, sich der Mühen eines Widerspruchs oder gar einer Widerlegung zu unterziehen. Gefälligkeitsgesellschaften sind brüchig, weil in ihnen mit dem Nein gegen andere das Ja zu sich selbst abhanden kommt. Viel hängt daran, dass wir wieder lernen, wie sich sinnvoll und belastbar begründen lässt, warum wir nicht alles teilen, was uns offeriert wird.

Entrüstungsreflex

Nicht selten ist Entrüstung ein Ersatzreflex, weil wir nicht anerkennen, dass wir schlicht überfordert sind. Die Welt scheint böser zu werden in dem Maße, wie wir die Aufgaben nicht mehr bewältigen, die sie uns täglich stellt.

Meteorologie der Philosophen

Nicht jeder Denker lässt sich jederzeit lesen und genießen. Das teilt er mit Wein, der in den heiteren Abendstunden eines langen Sommertags leicht und von weißen Trauben sein sollte, in kalten Winternächten schwer und dunkel. Eine kleine, absurde (aber so ist Wahrheit gelegentlich) Typologie, die zu ergänzen ist:

Heidegger: Winterphilosoph. Verträglich nur nach einem Skiausflug im Hochtal bei einem Schwarzwald-Gin.
Baudrillard: leichter Sommerphilosoph.
Jaspers: mit dem Frühling hellt sich die Stimmung auf.
Schmitz: das Atmosphärische bestimmt die Übergangszeiten.
Rousseau: auch Sommerphilosoph, der durch Kornfelder streift. Durch dieselben Felder geht Voltaire. Der ärgert sich aber, dass er keine Ähren raufen kann, weil das Feld abgeernet ist.
Hannah Arendt: Herbstzeitlose.
Hegel: Ganzjahresphilosoph.
Kant: Er kennt kein Wetter.

Ist das nicht krass?

Unter den Jüngeren hat sich ein seltsamer Hang ausgebildet, etwas für wichtig zu halten, ohne erklären zu können, ja zu wollen, warum. Bedeutsamkeit, die keinen Inhalt hat, findet sich in einer Fotomontage, die zwei politisch engagierte und szenepopuläre Frauen zeigt, die sich nie getroffen haben und wahrscheinlich auch nichts zu sagen hätten, in der gedruckten Botschaft auf dem T-Shirt, die radikal klingt, aber nichts fordert, im trotzigen Statement gegen Lebensgewohnheiten, die sonst eher zu jenem Lebensmodell gehören, das vehement vertreten wird. Man darf alles fragen, nur nicht nach Stimmigkeit und Gründen. Also danach, was das alles bedeutet.

Proporz

Wie wenig das politische Personal in Europa europäisch denkt, lässt sich ablesen an den Entscheidungen, die für die Spitzenpositionen getroffen sind. Im Postengeschacher um die Kommissionspräsidentschaft und die der Zentralbank oder des Rats haben alle genau darauf geachtet, dass die mächtigsten Länder auch ihre Kandidaten unterbringen, anstatt nach Qualität, Kompetenz und Charakter zu beschließen. Eine Europäerin? Ein Europäer? Nein, die Nationalinteressen übertrumpfen den Gemeinsinn: hier eine Deutsche, dort eine Französin, da ein Spanier … Nicht nur der demokratische, auch der europäische Geist verzieht sich, wenn Europa tagt.

Ach, sieh da

Seine Hochzeitsreise, die ihn und seine Frau Fanny Vandegrift für zwei Monate durchs Napa Valley führte, hat Robert Louis Stevenson wenig später in einem kleinen Buch verarbeitet, in dem er, der Vielreisende, sich abgeklärt zeigt angesichts von verkieseltem Holz, dem „versteinerten Wald“: Sight-seeing, schreibt er, is the art of disappointment.* Wer genügend Gemälde gesehen hat, oft genug unterwegs gewesen ist, oder, heute, durch Filme, Aufnahmen in hochauflösender, dreidimensionaler Qualität, durch virtuelle Realitäten ins Bild gesetzt wurde, kann im Angesicht des Originals nur desillusioniert sein. Vieles, wohinein man durch technisches Raffinement geführt wird, bleibt in Wirklichkeit verborgen, unerreichbar für den Blick, versperrt durch beschränkte Öffnungszeiten, Bauzäune, architektonische Hindernisse. Die Welt ist, im Vergleich mit allen künstlichen Realitäten, der Ort der Enttäuschung. Vielleicht bleibt das ihr wesentlicher Vorzug.

* The Silverado Squatters, Erster Teil, Kapitel 2

Sturmwarnung

Die Gemütsruhe und Dickfelligkeit, die vielen Menschen an der See zu eigen ist, mag damit zusammenhängen, dass die Luft erregt genug ist. Wenn schon das Wetter einen Hang zur Hysterie hat, muss die menschliche Natur nichts beisteuern zur gefälligen Unterhaltung des Tagesgeschehens.

Hätte, hätte, hätte …

Krisengespräche verhindern den Stillstand. Weil nichts mehr vorangeht, läuft das Leben in ihnen zunächst rückwärts ab, um einen neuen Schwung aufzunehmen. Der Konjunktiv verpasster Gelegenheiten verwandelt sich in den Imperativ, die nächste Chance fest zu ergreifen.

Den Mund aufmachen

Talkshow: die wöchentliche Feier der Floskel. Sie verbirgt, wie anstrengend es sein kann, das Wort aus dem Schweigen zu holen, um ihm Bedeutung zu geben. Und es im Gespräch zu halten, damit es seine vornehmste Aufgabe, – nicht nur Welt zu erschließen, sondern – Welt zu gestalten, erfüllen kann. Die Grundbedingung des talk ist: mit dem Reden der Runde schon anzubieten, dass jederzeit vergessen werden kann, was gesagt wird.

Gartenfreuden

Gartenfreuden im Hochsommer: Die zwei Stunden, die man sich mühsam vom Arbeitspensum abkneift, verbringt man inmitten blühender Wildrosen und duftender Staudenrabatten, um mit dem Wasserschlauch bis in die letzten Winkel nachzufüllen, was die trockene Hitze hat verdunsten lassen. Der Nachbar zur Linken hat derweil die lautstark ratternde Heckenschere angeworfen; der liebe Freund zur Rechten das Grillfeuer entfacht und die ölgetränkte Lammhüfte zu heftigem Qualmen gebracht. Sommer sei Gartenzeit, so wirbt das Pflanzencenter prominent platziert in der Zeitschrift. Es unterschlägt, dass das, was uns nervt, nur nach draußen verlagert wird.

Schlaf und Moral

Wer schläft, sündigt nicht. So der Volksmund. Das ist natürlich ein so großer Unsinn, wie es das Unrecht auf das Tun reduziert. Das Umgekehrte kommt allerdings viel häufiger vor. Kein so gutes Ruhekissen ist das schlechte Gewissen: Wer sündigt, schläft nicht.

Klimawandel

Aus einem Gespräch mit einer Marktfrau in Trient; Heinrich Heine schildert es in seinen „Reisebildern“, die er im Jahr 1840 veröffentlichte: „In unserem Lande ist es sehr frostig und feucht, unser Sommer ist nur ein grün angestrichener Winter, sogar die Sonne muss bei uns eine Jacke von Flanell tragen, wenn sie sich nicht erkälten will.“*

* Reisebilder, Band 3 (Reise von München nach Genua), Kapitel 16

Der große Pan

An heißen Tagen, so der Bericht des treuen Eckermann, verweilte Goethe gern unter einem Ensemble aus Tannen, Eichen, Birken und Buchen. „Bei großer Sommerhitze … weiß ich keine bessere Zuflucht als diese Stelle. Ich habe die Bäume vor vierzig Jahren alle eigenhändig gepflanzt, ich habe die Freude gehabt, sie heranwachsen zu sehen, und genieße nun schon seit geraumer Zeit die Erquickung ihres Schattens … Ich sitze hier gerne an warmen Sommertagen nach Tische, wo denn auf diesen Wiesen und auf dem ganzen Park umher oft eine Stille herrscht, von der die Alten sagen würden: daß der Pan schlafe.“ So zitiert ihn der beflissene Begleiter in seinen Aufzeichnungen. Und fügt hinzu: „Indessen hörten wir es in der Stadt zwei Uhr schlagen und fuhren zurück.“ Mit dieser Bemerkung endet das 40. Kapitel der „Gespräche mit Goethe in den letzten Jahren seines Lebens“. Es ist der Bruch mit der Idylle, mit der Erinnerung an die Alten. Eine Turmuhr gibt Laut. Von Pan, dem Hirtengott, heißt es, dass er die Herdentiere furchtbar in Schrecken versetzen konnte, wenn er geweckt wurde (Panik!). Der Mittag ist zuende, wenn der Gott die Augenlider wieder aufschlägt. Nicht früher. Das unterscheidet die modernen Götter, und seien es die Größten unter den Dichtern, dass sie vom Glockenschlag erinnert werden, wann ihre Zeit um ist.

Alle Tage

Es gibt Tage, an denen die geheime Verwandtschaft von Zuverlässigkeit, fester Ordnung, Loyalität oder Routine, also aller Tugenden der Beständigkeit, und Langeweile sinnfällig wird. Was im Umkehrschluss bedeutet, dass die interessantesten Formen des Lebens zugleich im Verdacht stehen, nicht alltagstauglich zu sein.

Pflicht und Kür

Das Schönste, was sich von einem Menschen sagen lässt, der nicht funktioniert: Er hat verstanden, was es bedeutet, quicklebendig zu sein. Was aber ist Pflicht, was Kür?

Wiederbegegnung

Wie wenig die eigene Geschichte einem selber gehört, erfährt man nicht zuletzt, wenn sie wiederbegegnet in Gestalt von Menschen, die einst Teil von ihr gewesen sind. Und die mit ihr verbinden, was man selber nicht mehr erinnert oder nicht wahrhaben will. Man fremdelt wie ein kleines Kind, das erstmals in die Obhut der bekannten, aber noch nicht vertrauten Großeltern gegeben wird. Was hat man einander zu sagen, wenn es nicht möglich, nicht günstig ist anzuknüpfen daran, dass man ehedem einander was zu sagen hatte, weil das Gedächtnis dort Bedeutsamkeiten bereithält, die hier nie eine Rolle gespielt haben? Es gibt Enttäuschungen, die verspätet zugestellt werden.