„Es kommt im Leben viel darauf an, daß wir aufpassen, wenn unser Stichwort kommt.“*
* Søren Kierkegaard, Die Tagebücher. Erster Band, 94 (A 279)
„Es kommt im Leben viel darauf an, daß wir aufpassen, wenn unser Stichwort kommt.“*
* Søren Kierkegaard, Die Tagebücher. Erster Band, 94 (A 279)
Wo Kindlichkeit nicht mehr geachtet wird, übernimmt das Kindische die Macht. Die Welt ist reif, von Unreifen regiert zu werden.
Man kann Handlungen danach differenzieren, wie hoch der Eigenanteil an Verantwortung ist.
Wenn ein Großmaul kleinlaut wird, schimpft es all jene „Verräter“, die vernünftig geblieben sind. Für den Selbstdarsteller ist die schmerzhafteste Blamage jener Sieg, der sich von einer Niederlage nur dadurch unterscheidet, dass erklärt werden muss.
Selbstständiges Denken lernt man, indem man denen zuhört, die es tun. 
Die Macht derer, die keine Macht haben: warten lassen
In Organisationen, die sich selbst über Kontrollmechanismen stabilisieren, auf Zuständigkeitshierarchien aufgebaut sind und Berichterstattungspflichten genau beachten, ist das erste, was auf der Strecke bleibt, eigenständiges und vor allem vorausschauendes Denken. Niemand sieht sich in der Lage einzustehen für etwas, das zwar klar genug gesehen werden, für das es aber noch keine Prozessroutinen geben kann, weil es in der Zukunft liegt. (Geschrieben nach einem vielstündigen Zwangsaufenthalt am Hamburger Hauptbahnhof. Die Oberleitung musste, wieder einmal, repariert werden. Fernzüge kamen an, durften aber nicht im Zeitfenster der Abfahrt die Richtung wechseln, um Reisende nach Süden zu bringen, solange keine Freigabe erteilt worden war. Zugpersonal, Stationsbedienstete, Fahrgäste, sie alle hatten einhellig eine sinnvolle Lösung des Problems. Nur die Dienststelle war nicht zur Stelle mit einem schlichten „Go!“)
Man sollte jenen, von denen man nicht abhängig sein will, nie die eigenen Ängste eingestehen.
Im Kampf zwischen jenen, denen es um alles geht, und denen, die nichts zu verlieren haben, entscheidet allein die Angst vor der Niederlage über den Sieg. Nicht Stärke, Macht, Finanzkraft oder Verbündete geben Sicherheit, sondern die Überlegenheit erwächst aus dem Bewusstsein, dass selbst dann nichts passieren kann, wenn das Schlimmste geschieht. Dort, wo Siege nicht anders gefeiert werden denn als Triumphe, hat die Gegenseite alle Trümpfe in der Hand: Sie wendet den Versuch der totalen Demütigung, die stets unvorsichtig macht, um in die List, mit den Trägheitskräften des Erfolgs zu spielen.
Die Hilflosigkeit der Mächtigen hat einen Namen: Sie heißt Drohung.
Viele von denen, die unter dem Sammelnamen „Entscheider“ gefasst werden und im Ruf stehen, Führungstalent zu besitzen, mögen zwar zu diesem und jenem entschlossen sein. Aber ihnen fehlt die wesentliche Voraussetzung jeder zielbewussten Unmissverständlichkeit: Urteilskraft. Erst sie macht eine Entscheidung zuverlässig, belastbar, vernünftig. Es gibt keine Entscheidung von Rang, die nicht auch rechtfertigungsbedürftig ist.
Schamlosigkeit ist eine Form des Ichverlusts. Das Innen wird ausgeblendet, um ungehindert wirken zu können. Scham ist eine Art Weltverlust. Das Außen wird als so schmerzhaft erlebt, dass man sich wünscht, im Inneren sich zu verkriechen.
Es gibt Gespräche, die von der Erfahrung leben, dass das Ernsthafte ganz und gar unangestrengt sein kann
Sowohl Gedankenarmut als auch eine Überfülle an Reflexion, sie beide können Planlosigkeit verursachen. Den einen mangelt es an vorausschauender Vernunft, die anderen entwickeln eine Strategie, die jeder fixen Ordnung überlegen ist. Pläne sind Strukturen des Mittelmaßes; sie entlasten die Intelligenz, überfordern sie nicht. Planlos zu sein heißt nicht notwendig, keine Ziele zu haben. Es kann auch bedeuten, mit Zielunbestimmtheit klug zu operieren.
Es sind meist die vollen Tage, an deren Ende man eine innere Leere spürt, und nicht selten die leeren Tage, die als erfüllt wahrgenommen werden.
Die größere Niederlage, als ein Spiel zu verlieren, ist, aus einem Spiel, das man nicht gewinnen kann, nicht mehr herauszukommen.
Die säkulare Variante des Johannesprologs mit seiner Kernaussage, dass im Anfang das Wort sei, ist die Theorie des kommunikativen Handelns, die der Verständigungsorientierung und bestimmten Geltungsansprüchen zumutet, nicht rational bestritten werden zu können, ohne in einen Selbstwiderspruch zu geraten. Habermas hat den vom Evangelisten mystisch umgeformten Schöpfungsmythos nachmetaphysisch überarbeitet.
Kluge Konflikte haben immer ein Ziel: dass die Kontrahenten, jeder für sich, nach deren Beendigung jenes Niveau an Einsicht erreicht haben, das verstehen lässt, warum sie ausgebrochen sind und wie sie sich künftig vermeiden lassen. In jeder Auseinandersetzung geht es nicht nur kämpferisch um Anerkennung; sie ist auch eine Form der Anerkennung. Das ins Bewusstsein zu holen, kann der Anfang sein, aus ihr auszusteigen.
In Zeiten, die nach Revolutionen verlangen, sind Reformen das sichere Kennzeichen, dass sich wieder nichts ändert.
Wer nur verändern will, braucht keine genauen Ziele. Wer allerdings den Wandel will, eine Veränderung zum Besseren, muss präzise sagen können, wann und wie dieser erreicht wird.
Der Heizungsnotdienst muss gerufen werden. Das Haus wird kalt. An der Therme bastelt der Techniker, tauscht Zündelektroden und Sensoren, reinigt den Brennraum, doch nichts rührt sich. „Und wenn Sie an dieser Schraube drehten, vielleicht geht sie dann wieder an?“ So die vorsichtige Versuchsanordnung des Eigentümers. „Das wäre völlig sinnlos“, erwidert der Monteur. „Da wären Sie nicht der erste Handwerker, der etwas Sinnloses macht.“ Die Stimmung im Keller droht zu kippen. Der Mitarbeiter vom Kundendienst fummelt an der bezeichneten Schraube herum. Der Brenner springt an. Zwei Männer schweigen sich an. Der eine bemüht sich, keinen Triumph zu zeigen; der andere will nur noch die Sachen packen und verschwinden. Beim Abschied murmelt der Experte: „Weiß auch nicht, was kaputt war.“ Und der Laie entgegnet: „ Hauptsache, sie funktioniert wieder.“ Wenn Ratlosigkeit und Ahnungslosigkeit aufeinandertreffen, entsteht Sinnvolles, solange es besser ist, die Sache sich selbst zu überlassen. Komplexe Technik verlangt das immer öfter, von der Fehlerdiagnose bis zur Reparatur.
Die einzige Form der Instrumentalisierung, welche die Kunst verträgt, ist: Sie taugt als Therapie. Aus diesem Grund lautet das einzige Verbot ihrer Interpretation: Versuche nie herauszufinden, was der Künstler in seinem Werk verarbeitet hat.
Das Sinnpotential und somit die Energie im Handeln ist signifikant größer, wenn das Tun sich an der Frage ausrichtet, was es zu gewinnen gebe, anstatt sich zu orientieren an der Sorge, nichts zu verlieren. Das ist das größte Problem reicher Gesellschaften, dass sie dazu neigen, bräsig zu sein.
Es ist das Los des Verlorenen, dass es einem wertvoller vorkommt, als es ist. Allerdings auch wahr: Wert hat nur, was verlorengehen kann.