Wenig ist so schwer in einem Konflikt, in dem es ums Persönliche geht, wie bei der Sache zu bleiben. Und nichts so nötig.
Monat: September 2020
Talsohle
Die Talsohle, die durchschritten sei, ist ein seltsam schiefes Bild. Dass es danach wieder bergauf geht, mag für Stimmungskurven oder die Wirtschaftsleistung ein gutes Zeichen sein. Doch jeder Wanderer weiß, dass der Leidensweg erst beginnt, wenn die Anhöhen den steilen Aufstieg verlangen und man sich wünscht, es würde noch so manche Talsohle auf einer Hochebene kommen, die man leichten Fußes durchschreiten kann, um sich zu erholen. Kurz, das Schlimmste kommt noch. Zur Darstellung von Lebenswegen taugt die Metapher der durchschrittenen Talsohle nicht, auch wenn im Gang der Dinge Steigerungen gern durch Steigung veranschaulicht werden.
Stadt und Land
Wenn auf dem Land das Wetter wechselt, vom Sonnenglanz ins Regengrau, so zeigt sich der Widerschein eines meteorologischen Tiefs in der Natur viel stärker als in der Metropole. Von der urbanen Wolkentristesse lenkt deren Hochhausarchitektur mit überraschenden Schattierungen in der Silhouette aufs Schönste ab, wohingegen Wiese und Acker sich in eine schlammige Einöde verwandeln. In der Stadt wird die Natur entlastet von der Verpflichtung, für Unterhaltung zu sorgen.
Wie Frechheit verliert
Unverfrorenheit, ob in Worten oder Taten, lässt sich nicht durch Worte, sondern nur über Taten beantworten. Und sei es, dass man weder etwas entgegnet noch handelt, sondern sie einfach ignoriert.
Diplomatisches Geschick
Diplomatisch heißt jenes Gespräch, das im stillschweigenden Einverständnis beginnt, einander nicht die Wahrheit zu sagen, damit nicht die Wahrheit ans Licht kommt, dass man einander nichts zu sagen hat. Das Reden macht kurz vor dem Übergang ins Handeln kehrt.
Cliquenwirtschaft
Das unterscheidet die öffentliche Kundgabe von der privaten Meinung, dass es nicht nur darauf ankommt, was man vertritt, sondern alles daran hängt, mit wem man auftritt.