Systeme überfordern sich in dem Maße, wie sie ihre eigene Selbstbeschränkung aufgeben. So gelingt Kommunikation gerade dadurch, dass nicht jeder alles sagt, sondern sinnvoll unterschieden wird zwischen den Augenblicken des Redens und den glücklichen Momenten des Schweigens, zwischen denen, die etwas zu sagen wissen, und jenen, die bloß lautstark plappern. Kurz: Sie glückt, weil sie weiß, wann sie auf sich besser verzichtet. Ähnlich ist es mit politischen Instiutionen. Ihnen ist zuträglich, dass nicht alles politisch ist oder politisiert wird. In dem, was sie nicht ist, zeigt sich die Stärke einer Sache. – Mehr dazu in „scobel – Gespaltene Gesellschaft“, der Sendung, in der ich gestern zu Gast war.
Monat: November 2020
Horizonterweiterungen
Was an Orten fasziniert, die Aussicht gewähren: das Meer, der Gipfel, die Turmspitze? Der Blick, der sich ungehindert auf den Horizont richten kann, macht wie kein anderer anschaulich, was sich in Wahrheit nicht sehen lässt: Möglichkeiten. Und ist damit dem Denken und der Freiheit nah wie nichts sonst.
Berechenbarkeit
„Eine komische Sache. Ein merkwürdiger Unterschied: Der zurechnungsfähige Mensch kann immer auch anders, der unzurechnungsfähige nie!“*
In der Willkür steckt immer auch ein Zwang, wie in der Freiheit immer auch die Lust an der Anarchie wirkt.
* Robert Musil, Der Mann ohne Eigenschaften 1, 265
Gehemmtes Handeln
Das ist der größte Widersacher im eigenen Handeln: der Wille – nicht der, der zu wenig, sondern der, der zu viel will.
Sinnlose Tätigkeiten
Niemand findet Sinn, wenn er ihn sucht. Keiner gewinnt Vertrauen, wenn er es herzustellen beabsichtigt. Selten ist lustig, wer sich vornimmt, witzig zu sein … Es gibt Handlungen, die in dem Maße erfolgreich sind, wie man nichts tut, außer Voraussetzungen zu schaffen, die sie ermöglichen.
Toleranz oder Indifferenz
Der Unterschied zwischen Gleichgültigkeit und Toleranz ist, dass diese genau weiß, wann und wodurch sie selbst gefährdet ist. Und das hohe Gut verteidigt, dem sie sich verpflichtet hat.