Kategorie: Geist

Mustergültig

Wie abstrakt das Phänomen digitaler Überwachung ist (und damit meist unterhalb der allgemeinen Erregungsschwelle), mag an den atavistischen Wörtern abzulesen sein, die wir in diesem Kontext benutzen. Wir zwingen uns in eine bildkräftige Vorstellung über Ausdrücke aus den seligen Zeiten sinnlicher Anschauung, die bei der Jagd geschärft wird: Abhören, Ausspähen, Geheimnisverrat, Ortung, Lauschangriff, Spuren. Mustererkennung hingegen, und um die geht es allein, ist ein Akt des schöpferischen Gehirns, eines Hochleistungsrechners, bei dem es auf Unterscheidungstalente ankommt, die durch möglichst viele Vergleiche Wiederholungen wahrnehmen und über diese Unwesentliches vom Symptomatischen sondern. Muster sind nicht offenkundig; sie müssen sichtbar gemacht werden. Je nach Vorgabe, können aus denselben Daten verschiedene Informationen geholt werden. Hier sind Frage und Antwort nicht selten einander so nah, dass die Suche schon bestimmt, was herauskommen wird.

Kurze Phänomenologie des Geistes

Aus gegebenem Anlass zu Pfingsten eine minimale Modaltheorie

Geistreich: die Möglichkeiten am Wirklichen durchspielen.
Begeisterung: was die Wirklichkeit überwindet zugunsten neuer Möglichkeiten.
Geistlos: keine Möglichkeiten, keine lebendige Wirklichkeit. Alles ist notwenig.
Geistesgegenwart: die Wirklichkeit sofort erfassen, die in einer Möglichkeit steckt.
Entgeistert: vor lauter Wirklichkeit die Möglichkeiten nicht mehr sehen.
Geistesblitz: die Möglichkeit der Wirklichkeit, die sie verändert.
Geistesabwesend: nur möglich, nicht wirklich.
Geistesverwandtschaft: gemeinsame Wirklichkeit, die Gemeinsames ermöglicht.
Geist: der Inbegriff des Möglichen, das wirklich ist; der Inbegriff der Wirklichkeit, die möglich macht. Nichts ist notwendig.
Geistlich: erfüllt von der Wirklichkeit, bei der kein Ding unmöglich ist, aber nie alles Mögliche möglich wird.